Barcamps, auch Unkonferenzen genannt, unterscheiden sich deutlich von klassischen Konferenzen und Kongressen. Ganz nach dem Motto: Von- und miteinander lernen. Jeder Teilnehmer soll sich aktiv einbringen.

In Zeiten von Social Distancing und Versammlungseinschränkungen finden Barcamps auch immer mehr im Online-Raum statt. Aber was genau ist jetzt eigentlich ein Barcamp?

Unkonferenzen, die von den Teilnehmern selbst gestaltet werden

Barcamps bieten Teilnehmern den Raum sich mit ihren eigenen Themen, Formaten und Wünschen einzubringen. Bei einem Barcamp gibt es keine gebuchten Referenten, sondern das Programm wird durch die Teilnehmer selbst erarbeitet. Welche Themen passend zum Oberthema des Barcamps genau besprochen werden, legen die Teilnehmer vor Ort gemeinsam fest. Auch das Lernformat legen die Teilnehmer selbst fest. So kann es Vorträge, Workshops, Diskussionen oder spielerische Formate geben.

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Wie läuft ein Barcamp in der Regel ab?

  • Einlass: Die Teilnehmer kommen entspannt an und können die Zeit bis zum offiziellen Start zum Netzwerken nutzen.
  • Eröffnung: Der Moderator begrüßt die Teilnehmer und erklärt die Rahmenbedingungen und Zielsetzungen des Barcamps.
  • Sessionpitch: Der Sessionplan wird durch den jeweiligen Sessiongeber vorgestellt. Die restlichen Teilnehmer können im Anschluss entscheiden, an welcher Session sie teilnehmen möchten.
  • Start in die Sessions: Jetzt kommt die Hauptphase jedes Barcamps. Die Sessions laufen parallel und werden anschließend dokumentiert. Die Teilnehmer können dabei selbstgesteuert zwischen den Sessions wandern und sich aktiv einbringen.
  • Abschluss: Am Ende des Tages fasst der Moderator noch einmal die Erkenntnisse aus dem Barcamp zusammen.

Woher kommt die Methode „Barcamp“?

Barcamps entstanden aus den Foocamps des Verlegers Tim O‘Reilly („Foo“ = Friends of O‘Reilly). Ursprünglich waren diese Treffen nur mit Einladung besuchbar und waren tatsächlich noch mit Campen verbunden. Einige Teilnehmer wollten dieses innovative Format allen zugänglich machen und entwickelten daraus die Idee des Barcamps. Das erste fand 2005 in Kalifornien statt. Fun Fact:  Bei „Foo“ und „Bar“ handelt es sich um ein kleines Wortspiel, da die beiden Begriffe im IT-Umfeld für „Platzhalter“ stehen. So wurde aus dem „Foocamp“ das „Barcamp“.

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Wer oder was sind diese ominösen „Teilgebenden“?

Wegen der aktiven Beteiligung werden bei Barcamps die Teilnehmenden auch „Teilgebende“ genannt. Die Rollen wechseln ständig und fast unbemerkt: Mal ist man Lehrender, mal Lernender. Das gilt für alle Teilgebenden und auch für die Session-Gestalter. Anders als Vortragende bei klassischen Konferenzen, gehen auch Session-Gestalter meist mit mehr Wissen raus, als sie eingebracht haben.

Das Gesetz der zwei Füße

Wie bei anderen interaktiven Formaten gilt auch bei Barcamps: Wer in einer Session nichts mehr beitragen kann oder nichts Neues mehr lernt, bewegt sich einfach in den nächsten Raum – auch digital.

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Was sind die Kernelemente eines Barcamps?

Alle Mitwirkenden begegnen sich auf Augenhöhe. Zusammen mit dem aktiven Einbinden aller Personen, entsteht auf diesem Weg ein intensiver Wissensaustausch, es werden neue Ideen generiert, gemeinsame Projekte angestoßen und Kontakte geknüpft. Außerdem werden durch die Vielzahl an Themen und Formaten unterschiedliche Interessen bedient. Durch Interaktivität und Kreativität entsteht ein gemeinsamer Lernraum, der durch Offenheit, Spaß und Neugier geprägt wird.

Diese ungewöhnliche Konferenz-Art funktioniert erstaunlicherweise immer, auch mit Teilgebenden, die noch nie ein Barcamp erlebt haben. Offenbar kommen wir damit einer sehr ursprünglichen Kommunikationsform wieder sehr nahe. Und da Kommunikation immer ein wesentlicher Bestandteil von Lernen ist, ist das Barcamp-Format gerade für Erwachsenenbildner, Trainer, Learning Designer usw. besonders interessant.